Der Vater lauscht abends an der Tür des frommen Sohns, wie er betet, bevor er einschläft. Er hört:
"Lieber Gott, schau, dass es meinem Grossvater, meiner Grossmutter, meinem Vater, meiner Mutter und meiner Schwester gut geht. Amen."
Und so geht das jeden Tag. Irgendwann lauscht er wieder:
"Lieber Gott, schau, dass es meiner Grossmutter, meinem Vater, meiner Mutter und
Meiner Schwester gut geht. Amen."
Am nächsten Tag die Hiobsbotschaft: Der Grossvater ist in der letzten Nacht überraschend gestorben.
Ein paar Wochen später lauscht er wieder:
"Lieber Gott, schau, dass es meinem Vater, meiner Mutter und meiner Schwester gut geht."
Und am nächsten Morgen wieder die Hiobsbotschaft: Die Grossmutter ist überraschend gestorben.
Von nun an lauscht er jeden Tag:
"Lieber Gott, schau, dass es meiner Mutter und meiner Schwester gut geht. Amen."
Die Nacht kann er kein Auge zudrücken und wälzt sich schweissgebadet im Bett, fühlt die ganze Zeit seinen Puls etc. Am nächsten Morgen fährt er wie auf Nadeln zur Arbeit, trinkt nur Orangensaft und isst nur Gemüse, geht so vorsichtig wie nur möglich. Mit äusserster Vorsicht fährt er wieder nach Hause, froh, noch am Leben zu sein und wird von seiner Frau empfangen:
"Wusstest du schon, unser Postbote ist heute gestorben!"